Rund 100 Moore
Im südlichen Landkreis Ebersberg gibt es rund 100 Hoch-, Übergangs- und Niedermoore. Sie sind ein wertvolles Mosaik für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig besitzen sie ein hohes Potential für den Klimaschutz, da intakte Moore der Atmosphäre CO2 entziehen und langfristig in Form organischer Substanzen im Torf speichern.
Der Großteil der Moore in Ebersberg wurden in den letzten 100 bis 150 Jahren entwässert, um sie land- und forstwirtschaftlich zu nutzen. Die Folge: Der Torf zersetzt sich, was jährlich zur Freisetzung erheblicher Mengen an Treibhausgasen führt.
Kernziele des Projekts
Eine schnelle Wiederherstellung unserer Moorstandorte, hat zum Ziel die Klimaerwärmung zu bremsen und einzigartige Feuchtbiotope für den Arten- und Biotopschutz zu sichern. Das Projekt verfolgt eine ökosystembasierte Moorrenaturierung – d.h. die Leistungen der Ökosysteme sollen genutzt werden, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren, indem natürliche Kohlenstoffspeicher bewahrt und erweitert werden – und es leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
- Klimaschutz: Minimierung des Klimawandels durch zeitnahe Wiedervernässungsmaßnahmen, um die fortschreitende Mineralisierung des Moorbodens und die Freisetzung von Treibhausgasen zu stoppen.
- Artenschutz & Biodiversität: Wiederherstellung von Lebensräumen (Trittsteinbiotope) und Steigerung der lokalen Artenvielfalt, u.a. für gefährdete Zielarten, wie die Kreuzotter und Wiesenbrüter
- Flächensicherung: Schaffung von hydrologisch zusammenhängenden Flächeneinheiten durch den Ankauf wichtiger Schlüsselflächen, langfristige Pacht und Ausgleichszahlungen, um stabile, hohe Wasserstände zu ermöglichen.
- Infrastruktur: Verbesserung der „Grünen Infrastruktur“ im südlichen Landkreis Ebersberg – also einem Netzwerk aus natürlichen und naturnahen Grünflächen, die wichtige Ökosystemleistungen zum Wohle des Menschen und zur Sicherung von Lebensqualität erfüllen.
- Projektträger: Landschaftspflegeverband Ebersberg e.V. und Landkreis Ebersberg.
- Projektlaufzeit: 06.11.2025 – 31.12.2028
- Projektvolumen: ca. 3,0 Mio. Euro
Das Projekt wird zu 60 % aus Landesmitteln des Freistaats Bayern und zu 40 % aus EU-Geldern finanziert.



Projektkulisse
Der Fokus unseres Projektes liegt auf den vier Hauptmooren Brucker Moos, Katzenreuther Filzen, Frauenneuhartinger Filzen und den Gutterstätter Streuwiesen.
Brucker Moos (Gemeinden Aßling, Baiern und Bruck)
Das Brucker Moos ist ein ausgedehnter Niedermoorbereich im Tal des Moosach-Zweigbeckens. Im Kernbereich existieren strukturreiche sekundäre Moorwälder mit Gräben sowie Torfstichen und überregional bedeutsamen offenen Hochmoorresten, die in Teilen wiedervernässt wurden. 1992 ist das Brucker Moos in das Arten- und Biotopschutzprogramm aufgenommen worden. Ziele des Programms sind u.a. die Wiedervernässung des Moorkörpers, der Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt insbesondere der Schutz von Wiesenbrütern. Insgesamt konnten durch Kauf und Tausch, der Bereitstellung von Ausgleichsflächen/Ökokonten und extensive Bewirtschaftung ca. 190 Hektar im Kerngebiet für den Moorschutz aktiviert werden.
Katzenreuther Filzen (Stadt Grafing)
Das Landschaftsschutzgebiet „Katzenreuther Filze“ erstreckt sich in einem 73 ha großen Talkessel, bestehend aus einem Hoch- und Übergangsmoorkomplex, sowie einem Niedermoorbereich mit randlichen Feuchtwiesen. Aufgrund der Entwässerung durch zahlreiche Gräben, dem ehemaligen Torfabbau und einigen Fichtenaufforstungen gilt der Moorkomplex als weitgehend degeneriert. Das Zentrum der Filze bildet ein in Teilen noch intakter Hochmoorkern mit moortypischen Pflanzenarten wie z.B. Moosbeere, Rosmarinheide und verschiedenen Torfmoosarten. Daneben existieren in den randlichen Bereichen die noch letzten vorhandenen Nasswiesen, Hochstaudenfluren und Seggenriede. Diese verstreut über dem Gebiet verteilt liegenden Bereiche sind von erheblicher naturschutzfachlicher Bedeutung für bedrohte Tierarten wie den Wachtelweizen-Scheckenfalter oder den Mädesüß-Perlmuttfalter. Gleichzeitig wird durch die kontinuierliche Entwässerung über zahlreiche Graben- und Drainagesysteme eine enorme Menge an klimarelevanten Treibhausgasen freigesetzt, die das Moorgebiet zu einer erheblichen CO2-Quelle macht und den Klimawandel somit weiter voranschreiten lässt.
Übergeordnetes Ziel der Renaturierung ist die Wiederherstellung der natürlichen hydrologischen Verhältnisse, um die weitere Ausgasung klimarelevanter Treibhausgase zu unterbinden. Im weiteren Wiederherstellungsprozess soll die schrittweise Entwicklung des Moorkomplexes zu einer CO2-Senke erfolgen.
Frauenneuhartinger Filzen (Gemeinde Frauenneuharting)
Zwischen Frauenneuharting und Pfaffing erstreckt sich auf rund 140 Hektar das Areal der Frauenneuhartinger Filzen, ein herausragendes Beispiel für ein Hochmoor-Ökosystem im Landkreis Ebersberg. Von dieser Gesamtfläche sind noch 82 Hektar als wertvolles, wenn auch degradiertes Hochmoor klassifiziert.
Das Gebiet präsentiert sich als ausgedehntes Hochmoorgebiet, dessen strukturelle Integrität durch historische forstliche Nutzung und Torfstich-Aktivitäten verändert wurde. Das Vorhandensein zahlreicher Entwässerungsgräben sowie die Aufforstung mit Fichten auf trockeneren Randbereichen haben zu einer deutlichen Absenkung des Moorwasserstands geführt, was die natürliche Torfbildung behindert.
Trotz dieser hydrologischen Störungen bewahren weite Bereiche der Filzen eine erstaunliche biologische Vielfalt und eine relativ naturnahe Charakteristik. Die Landschaft zeigt einen Mosaikkomplex aus:
- Resten von Moorbirkenwäldern
- Moorheide-Bereichen
- Degradierten Hochmoorflächen
Diese Strukturen sind essenziell für die Erhaltung überregional bedeutsamer Lebensräume und zeigen die natürliche Resilienz des ombrotrophen (nur durch Niederschlagswasser gespeisten) Moortyps.
Die Frauenneuhartinger Filzen sind von zentraler Bedeutung als Kreuzotterprojektgebiet. Das Vorkommen der Kreuzotter (Vipera berus), deren bodenständiger Nachweis (2009) hier der einzige aktuelle im Landkreis ist, macht das Gebiet zum Hotspot für Reptilienschutz.
Gutterstätter Streuwiesen (Gemeinde Bruck und Moosach)
Die Gutterstätter Streuwiesen stellen im vernässten Talgrund der Moosach zwischen Moosach und Bruck ein herausragendes artenreiches Niedermoor-Ökosystem dar. Das Areal umfasst rund 20 Hektar und erstreckt sich über circa 1,2 km Länge. Dominant ist hier das kalkreiche Niedermoor auf etwa 15 Hektar, ergänzt durch angrenzende Anmoorflächen.
Hydrologie und Biotoptyp
Die hohe ökologische Wertigkeit des Gebiets resultiert aus einer komplexen hydrologischen Situation: Das Auenregime der Moosach wird durch ein seitliches, angedeutetes Hangquellregime ergänzt. Dieses Zusammenspiel sorgt für eine stetige Zufuhr von kalkreichem Grundwasser, das die chemischen und physikalischen Bedingungen für die Ausbildung der charakteristischen Streuwiesenvegetation schafft.
Biodiversität und Entwicklungsziele
Das landesweit bedeutsame Biotop der Gutterstätter Streuwiesen ist durch seine außergewöhnliche Artenvielfalt gekennzeichnet, mit über 30 bedeutsamen Pflanzenarten in den Streuwiesen und Flachmooren. Die ABSP-Ziele (Arten- und Biotopschutzprogramm) zielen auf die Erhaltung und Optimierung dieses Lebensraumes ab, wobei der Fokus auf seltener Tagfalterfauna liegt: Als Entwicklungsziel ist die Ausdehnung der Streuwiesennutzung geplant. Die späte, extensive Mahd (Streunutzung) ist essenziell, um die Konkurrenzkraft der Gräser zu mindern.
Die Maßnahmen berücksichtigen explizit die Ansprüche seltener Tagfalter wie Abbiss-Scheckenfalters (Euphydryas aurinia), Riedteufel (Minois dryas) und Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Phengaris nausithous). Das Vorkommen der Torf-Mosaikjungfer (Somatochlora flavomaculata) unterstreicht die überregionale Bedeutung des Feuchtbiotops.
Die Gutterstätter Streuwiesen sind somit ein Beispiel dafür, wie traditionelle Bewirtschaftung im Sinne der Habitatpflege einen der artenreichsten und schützenswertesten Lebensräume Bayerns langfristig sichern kann.
Umsetzung
Zur Umsetzung der Ziele werden vorrangig auf den gesicherten und landkreiseigenen Flächen Maßnahmen durchgeführt.
Wiedervernässung
Durch Verschluss oder Entfernung von Drainagen und Entwässerungsgräben, Bau von Torfdämmen und holzarmierten Stauanlagen soll eine Stabilisierung des Moorwasserspiegels erreicht werden.
Lebensraum-Optimierung
Um die Moorlebensräume zu optimieren, die vorhandene Artenvielfalt zu erhalten und die Biodiversität zu fördern werden Gehölze entfernt und lichte Waldbereiche geschaffen,
ehemalige Torfstiche als Amphibienhabitate aktiviert,
Strukturelemente wie Totholzhaufen und Sonnenplätze für Kreuzotter und andere Reptilien angelegt,
und Streuwiesen durch gezielte, artenangepasste Pflege (Schnittzeitpunkt/Häufigkeit) erhalten und optimiert.
Planung & Monitoring
Im Rahmen der Planung werden notwendige hydrologische Gutachten erstellt und
Kartierungen von Reptilien und Tagfaltern (Start und Ende des Projekts) zur Evaluierung der Maßnahmenwirkung auf den Artbestand durchgeführt.
Flächenakquise und Sicherung
Um eine erfolgreiche Wiedervernässung zu gewährleisten, ist der Flächenschluss entscheidend. Es ist die Sicherung von insgesamt 28 ha Moorfläche geplant.
Methoden: Ankauf von Moor- und Tauschflächen (ca. 16 ha), langfristige Pacht (6 ha, i.d.R. 25 Jahre) und dingliche Sicherung durch Ausgleichszahlungen (6 ha)

Ihre Ansprechpartner
Josef Rüegg, josef.rueegg@lra-ebe.de, 08092 823 216
Claudia Puchta, claudia.puchta@lra-ebe.de, 08092 823 670
Sarah Egg, sarah.egg@lra.ebe.de, 08092 823 179






